Wahrnehmung | Die Grenzen unserer Wahrnehmung 2/2

Ausflug in die Makrowelt

So unvorstellbar wie die Dimension eines Strings bleibt es, wenn wir die Augen in den Nachthimmel richten. Wir gehen in den Wald und erfreuen uns an den Bäumen, also immer nach und nach. Denn erst aus dem Hubschrauber können wir den Wald als Ganzes erfassen, wird er zum grünen Teppich. Mit dem Blick aus der Höhe der Erdumlaufbahn werden Wälder zu einem Geflecht, sehen wir, wie Bäume unterhalb der Erde miteinander verbunden sind (Was, Bäume sind miteinander verbunden? Sie sollen Informationen speichern? Und, wenn wir sie fällen wie im Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, stirbt Wissen? Quatsch, unvorstellbar…).

Fliegen wir noch weiter, erscheint die Erde als kleiner blauer Ball im All, der hilflos wie verletzbar wirkt. Die Erde, ein Planet in unserem Sonnensystem.

Wir stöhnen schon, wenn wir stundenlang im Flugzeug sitzen, um irgendwann in Tokyo oder New York zu landen. Die Strecke von Berlin nach München können wir uns noch halbwegs vorstellen. Bis nach Tokyo, naja, ist es schon ganz schön weit. Aber können wir die Größe eines Sonnensystems erfassen? Eigentlich ist es doch ganz einfach. Das Licht benötigt von der Sonne bis zur Erde nur etwa acht Lichtminuten. Das sind umgerechnet etwa 17,98 Millionen Kilometer pro Minute, die die Strahlung, in besagter Lichtgeschwindigkeit, zurück legt. Das alles nur mal acht und schon scheint im Garten die Sonne.

Wenn die Sonne nicht scheint und wir den Sternenhimmel sehen glauben wir, zumindest, Sterne zu sehen. Denn manches, was das scheint, gibt es gar nicht mehr. Oft sehen wir nur noch das Licht eines Sterns, welches im Universum als Strahl steht. Trifft das Licht bei uns ein, ist der Stern bereits erloschen. Das Licht hat dann mal einen Weg von mehreren millionen Lichtjahren hinter sich. In vorstellbaren Zahlen bedeutet dies: Ein Lichtjahr, also die Strecke die das Licht in einem Jahr zurück legt, sind ungefähr 9,46 Billionen Kilometer. Das mit ein paar Millionen an Jahren multipliziert und schon wissen wir, wie weit der Stern einmal von der Erde entfernt war. Alles klar?

Noch nicht ganz, denn es geht noch weiter. Denn von diesem Sonnensystem, in dem wir leben, gibt es mehrere. Nämlich so cirka ein paar Milliarden, was in Summe dann unsere Galaxie ist. Das alles wissen wir dank des Hubble-Mikroskops. Und wer jetzt noch mithalten kann, dem wird sicher auch die nächste Stufe der Wahrnehmung nicht schwer fallen. Denn wiederum Milliarden von Galaxien werden zu Klastern zusammen gefasst. Auf Zahlen möchte ich jetzt verzichten, denn bei mir sind schon die Lichter aus. Erst recht wenn wir bedenken, dass Superklaster den Kosmos, das Universum bilden. Das Universum, in dem wir leben. Keiner weiß heute, wie viel Universen es davon gibt.

Die Kosmologie als ein Teilgebiet der Physik hat sich ein Standardmodell für seine Beobachtungen und weiteren Berechnungen zugelegt, das auf der allgemeinen Relativitätstheorie beruht. Dennoch ist sich die Wissenschaft weiterhin nicht schlüssig, wie groß das Universum nun sei. Die Vermutungen schwanken zwischen Unendlichkeit und einer Größe von etwa 78 Milliarden Lichtjahren.

Das Alter des Universums wird wohl auf 13,8 Milliarden Jahre geschätzt. So werden also nur Objekte betrachtet, die so alt oder jünger sind. Die ältesten liegen somit 45 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt.

So richtig alles klar scheint aber nichts zu sein. Wie dem auch sei, ich komme schon lange nicht mehr mit. Für mich bleiben 60 Kilometer mit dem Rad Herausforderung genug.

Was haben wir wirklich im Griff?

Vom String bis zum Universum liegen Dimensionen, die wir einfach nicht mehr erfassen können. Weder mit unserer Wahrnehmung, noch mit der uns zur Verfügung stehenden Mathematik.

Johannes Keppler hat zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Umlaufbahn der Planeten erstmals berechnet. Am Ende bildeten seine Ergebnisse nur Näherungswerte. Keppler selbst begründete es damit, dass es wohl noch einen geben müsse. Kepplers Vermutungen nach einem weiteren Planeten entpuppten sich später als der Asteroidengürtel. Asteroide haben eine Größe von einem Ziegelstein bis etwa einer halben Mondgröße. Die wirkenden Kräfte aus dem Universum auf jeden einzelnen Asteroiden zu erfassen und für jeden einzelnen Asteroiden daraufhin die weitere Bahn zu berechnen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir treffen auf Datenmengen und Wahrscheinlichkeiten, die nicht mehr erfassbar sind. Doch jede Änderung einer Kraft hat Auswirkungen auf alles, auch auf uns Menschen.

Diese Nichterfassbarkeit von Möglichkeiten und logisch auch die Errechnung, Vorhersage von Ereignissen werden als Chaostheorie oder auch Schmetterlingseffekt bezeichnet. Sie besagen, dass kleinste Änderungen der Ausgangslage im weiteren Verlauf nicht definierbare Ergebnisse hervor rufen. Selbst im verhältnismäßig nahen Asteroidengürtel sind die Auswirkungen auf unser Leben nicht überschaubar (darum hat z.B. der Wetterbericht mal wieder gesponnen). Was passiert erst alles pro Sekunde im Universum? Sicher, nicht alles spüren wir sofort, weil die Größe des Universums eine für uns Menschen verhältnismäßige Schwerfälligkeit besitzt. Ob nun jedoch irgendwelche Entstehung von Sternen, Zusammenprall von Asteroiden von den Strings wahrgenommen werden? Wer weiß das schon?!

Vom String bis zum Universum verdeutlichen uns die Grenzen des Erfassbaren. Der Standpunkt, wir Menschen könnten alles beherrschen und das Leben im Griff haben, wird angesichts der Blicke durch ein Mikroskop in die eine wie in die andere Richtung ad absurdum geführt. Wir führen auf dieser Erde ein Leben zwischen dem unvorstellbarem Kleinen und dem unvorstellbarem Großen. Die Welt, die wir sehen, ist nur eine, die existiert. Es existiert weit mehr, als wir wahrnehmen können.

Wenn uns die fünf Sinne Riechen, Hören, Tasten, Schmecken und Sehen die Welt nur zum Teil erklären, hilft dann vielleicht in der Erweiterung unserer Wahrnehmung ein weiterer Sinn? Vielleicht das, was wir für den sechsten Sinn halten?

Bei einem Nobelpreisträger für Physik (leider erinnere ich mich nicht mehr an den Namen; ich glaube er ist Brite und Quantenphysiker) fand ich eine sehr treffende Aussage, in etwa so: „Wir Menschen können heute nicht unsere gewünschten Antworten finden. Dies, weil wir lange nicht in der Lage sind, die richtigen Fragen zu stellen.“

>>> zu Teil 1 des Artikels <<<

#dermitdemgong

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